Klaus-Groth-Tagung 2013

 

tagung2013 01Wie man mit Klaus Groth auch heute in Dithmarschen kulturelle Glanzlichter anknipsen kann, das zeigte die Jahrestagung der Klaus-Groth-Gesellschaft am Wochenende auf der Museumsinsel Lüttenheid und in der St.-Jürgen Kirche. Das Besondere am Plattdeutschen ist „doch woll de Vertrutheit“, so brachte Peter Harry Carstensen es auf den Punkt, „ok wenn wi uns harte Wohrheiten seggt“.

Der frühere Ministerpräsident begeisterte nach der Jahresversammlung am Sonnabend, auf der Bernd Rachuth für drei weitere Jahre einstimmig im Amt des Vorsitzenden bestätigt worden war, Mitglieder und Gäste mit seinen farbigen und launigen Darstellungen darüber, wie er als Sohn einer Dithmarscher Mutter und eines Nordstrander Vaters zweisprachig aufgewachsen sei und im ländlichen Raum mit den Menschen immer automatisch plattdeutsch gesprochen habe.

Mit großer Sympathie verfolgten die Zuhörer die Erfahrungen des Politikers, dass selbst bei Veranstaltungen im Smoking eine Rede auf Platt ausgezeichnet ankommen kann (wenn auch die chinesischen Teilnehmer wohl wenig verstanden, aber aufgrund der allgemeinen Heiterkeit am meisten gelacht hätten) und dass er in den USA vor einer Versammlung von Nachkommen deutscher Auswanderer nach einem ersten Satz auf Platt aufgefordert wurde, die eigens in Englisch vorbereitete Rede ganz und gar plattdeutsch zu halten. „Do heff ik dat vun`t Blatt allens wedder trüchöbersett,“ berichtete er.

Bernd Rachuth dankte Carstensen dafür, dass er bereits 2008 als Ministerpräsident eine CD mit plattdeutschen „Riemels un Geschichten“ im Kieler Verlag Jung aufgenommen hat, von deren Verkauf je ein Euro an die Klaus-Groth-Gesellschaft abgeführt wird. Daraus las der geübte Redner zum Ausklang einige Kostproben, u.a. von Klaus Groth „Lütt Matten, de Haas“, wobei er die Frage nicht ganz verneinen wollte, dass dieses Gedicht „ok woll mol op de Politiker passt“.

Die Festveranstaltung am Abend widmete sich Klaus Groth, dem „Vater der Heider Vereine“, als der er für die Jahre nach seiner Lehrerausbildung von 1841 bis zu seiner Erkrankung und Flucht nach Fehmarn 1847 zu bezeichnen ist. Dr. Martin Rackwitz, Historiker von der Universität Kiel, führte in seinem Vortrag „Singen, Turnen, Politisieren“ die Bedeutung der Vereine in Schleswig und Holstein um 1848 an: hier wurden nationale und liberale Strebungen ausgelebt, die im dänischen Gesamtstaat, der damals noch bis Altona reichte, nicht geäußert werden durften.

Für vier Heider Vereine konnte diese These dann von ihren Sprechern passgenau unter Beweis gestellt werden: Walter Volkers zeigte als Vorsitzender des Heider Bürgervereins von 1846 an Beispielen auf, wie man sich hier um Bildung durch anspruchsvolle Vorträge und um ein Forum für politische Einflussnahme bemühte. Thies Pohlmann, erster Föhrer von Östereggen-Hohnbeer, erinnerte an die eigenständigen kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben der Eggen, die bis 1864 bestanden haben, und deren Hohnbeer-Feiern im Februar, die mit Unterstützung von Klaus Groth als schleswig-holsteinisch gesinnt neu belebt wurden.

Bernhard von Oberg zeigte für die Freiwillige Feuerwehr Heide, dass sie – wie er vor einigen Jahren herausgefunden hat – die älteste Wehr im Lande ist: als Heider Brandkorps 1847 gegründet. Auch hier sei es um eine politische Abkehr von der dänischen Krone gegangen, eine damals gefährliche politischeHaltung, die aber unter dem Deckmantel der Brandverordnungen, gerade nach dem Schock des Großen Hamburger Brandes 1846, besonders gut gepflegt werden konnten. Und Ulrich Ernst stellte als Vorsitzender den Heider Männerchor von 1841 als den ältesten Verein in Heide vor, an dessen Gründung Klaus Groth aktiv beteiligt gewesen war und in dem die Lieder vielfach auch politische Bekenntnisse enthielten.

Zur Abrundung des Festabends, der Groth in die Mitte der Heider Gesellschaftsgeschichte des Vormärz stellte, trugen Bernhard von Oberg eine Rede Groths von 1846 vor dem Heider Bürgerverein und die Chorgemeinschaft Heide-Linden-Süderheistedt, zu der der Heider Männerchor sich  heute verbunden hat, vier plattdeutsche Lieder vor, u.a. „Mien Modersprak“ von Klaus Groth.

Klaus-Groth-Tagung 2013 - Veranstaltung am Sonnabend

Am Sonntag klang die Jahrestagung nach dem plattdeutschen Gottesdienst mit Pastorin Inke Raabe in der St.-Jürgen-Kirche mit einer festlichen Gedenkmatinee für den im vergangenen September verstorbenen Ehrenvorsitzenden der Groth-Gesellschaft, Prof. Reimer Bull, aus. Mit geübten Stimmen trugen Kenner des Werks wie Ernst Christ vom NDR Kiel und Christian Seeler vom Ohnsorg-Theater in Hamburg Geschichten von Reimer Bull vor, die dessen Verleger Peer-Marten Scheller vom Quiockborn-Verlag so ausgewählt hatte, dass dahinter die Persönlichkeit des Verstorbenen noch einmal sichtbar wurde.

Auf der Gitarre umrahmte Uwe Eschner das Programm mit Musikstücken aus der Zeit Klaus Groths, so dass in der durchsonnten Kirche eine wunderbare Stimmung die niederdeutlsche Welt der Gegenwart mit jener des 19. Jahrhunderts verband: Mit den ersten Dichterworten Reimer Bulls „Dat Leven löppt so gau …“ beendete der Vorsitzende Bernd Rachuth die Jahrestagung 2013.

 

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