Aktuelles

Jubiläumsjahr 2019

Am 24. April 2019 jährt sich der Geburtstag des Dichters Klaus Groth zum 200. Male. Dieses runde Jubiläum wird mit zahlreichen Veranstaltungen im gesamten norddeutschen Raum gefeiert.

Tagungsaufruf

Klaus Groth im 19. Jahrhundert: Leben, Werk, Kontext 31. Mai und 1. Juni 2019 in Kiel

Am 24. April 2019 wird an den 200. Geburtstag des Dichters Klaus Groth (1819–1899) erin­nert werden. Das Groth-Jahr 2019 gibt für die Klaus-Groth-Gesellschaft den Anlass, in Zu­sammenarbeit mit der Abteilung für Niederdeutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik der Europa-Universität Flensburg, der Niederdeutschen Abteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel vom 31. Mai bis zum 1. Juni 2019, dem 120. Todestag des Dichters, in den Räumen der Landesbibliothek die Tagung „Klaus Groth im 19. Jahrhundert: Leben, Werk, Kontext“ auszurichten. Über das breit aufgestellte Thema sollen unterschiedliche Details und zudem Querverbindungen zu anderen Texten und Persönlichkeiten erkannt und beleuchtet werden.

Ende 1852 erschien Klaus Groths Lyriksammlung „Quickborn“, die sich in den Folgejahren als einflussreicher Beitrag zum Literaturgeschehen im gesamtdeutschen Sprachraum heraus­stellte und vor allem den entscheidenden Durchbruch einer neuniederdeutschen Literaturtra­dition brachte, die sich seit ca. 1800 im Zuge der gesamteuropäischen Entstehung von Mund­artliteratur entwickelte, bis dahin aber über regionale Wahrnehmungen nicht hinausgelangt war. Das Literaturgeschehen insbesondere der 1850er- und 1860er-Jahre wurde durch das niederdeutsche Textschaffen Klaus Groths und Fritz Reuters sowie die Beiträge daran an­schließender Autoren mitbestimmt.

Nicht von ungefähr war Groth in ein umfassendes Netzwerk von Literaten, Künstlern und Intellektuellen eingebunden, von dem seine Korrespondenz zeugt und dem er in seinem Kieler Haus einen Anlaufpunkt bot. Seine Freundschaften zu Johannes Brahms, Theodor Storm und Herman Grimm sind illustre Beispiele dieser zahlreichen Verbindungen, um die sich Groth bemühte. Jenseits seiner literarischen Tätigkeit versuchte er als Korrespondenzpartner und als Autor von Rezensionen und Aufsätzen Einfluss auf kulturelle, wissenschaftliche, seltener auch politische Debatten seiner Zeit zu nehmen. Voran steht dabei sein Einsatz für das Pres­tige niederdeutscher Sprache, die er als gleichwertige, dabei jedoch nicht mit dem Hochdeut­schen konkurrierende Schriftsprache verstanden wissen wollte.

Das von theoretischen Texten zum Thema flankierte literarische Werk ist von vergleichsweise überschaubarem Umfang und zudem von einer heterogenen Rezeptionsgeschichte bestimmt. Neben die vornehmlich im „Quickborn“, der allein im 19. Jahrhundert 25 Auflagen erlebte, publizierte Lyrik treten niederdeutsche Erzählungen („Vertelln“) und Versepen, denen jedoch, anders als der populären „Quickborn“-Lyrik, kein Erfolg am Buchmarkt beschieden war. Als kaum erforscht erweist sich auch Groths 1854 in den „Hundert Blättern“ publizierte hoch­deutsche Lyrik, die zeitgenössisch zwar auf deutliche Kritik stieß, als Grundlage von Verto­nungen aber in die Kulturgeschichte eingegangen ist. Es gilt, die Gruppe hochdeutscher Texte Groths neu zu entdecken und zu kontextualisieren.

Lebensweg und Persönlichkeit des Autodidakten Groth, der aus kleinbürgerlichen und eher bildungsfernen Verhältnissen im dithmarsischen Heide, einem Hauptort seiner Texte, stammte und zum Titularprofessor an der Kieler Universität sowie zu einem vom deutschen Kaiserhaus geförderten Dichter wurde, faszinierten bereits die Zeitgenossen, wie unter anderem eine große Zahl von Porträtierungen des Autors anzeigt. Dieser außergewöhnlichen, aber für jene Zeit auch exemplarischen Strukturierung seiner Biographie wäre ebenfalls näher nachzuge­hen. Zudem ließe sich nach Parallelen zu der literarhistorisch unrichtigen, aber vereinfachend gern vorgenommenen Stilisierung von Person und Werk Groths als ‚Begründern‘ neunieder­deutscher Literatur suchen, um vergleichbare Muster in anderen kleineren Literaturen aufzu­zeigen.

Die auf der Internetseite der Universität Kiel einsehbare „Klaus-Groth-Bibliographie“ infor­miert über den teilweise umfassenden, aber insgesamt doch heterogenen, auch lückenhaften Forschungsstand zu Groths Leben und Werk. Das „Jahrbuch der Klaus-Groth-Gesellschaft“ bietet der Groth-Philologie seit 1958 einen kontinuierlichen Publikationsort. Dennoch erwei­sen sich viele Fragen als unbearbeitet. Die Tagung sieht ihren Auftrag nicht nur in der Be­schäftigung mit Leben und Werk des Dichters selbst, sondern auch in der Diskussion weiterer zeitgenössischer und parallel wirkender Persönlichkeiten, Texte und Entwicklungen, über die ein Bezug zu Groths Denken und Wirken hergestellt werden kann. Die Kontextualisierung von Groths Werkbiographie erweist sich vielfach weiterhin als dringendes Desiderat. Nicht zuletzt ist es dabei von Interesse, Einordnungen niederdeutscher Literatur und insbesondere grothscher Texte in die literarischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts zu unternehmen. Hochsprachliche und mundartliterarische Texte aus verschiedenen Sprachräumen sind dabei in gleichem Maße von Interesse. Insbesondere auch die ausgeprägte dialektliterarische Ent­wicklung des 19. Jahrhunderts und somit weitere kleinere Literaturen könnten flankierend in den Blick genommen werden.

Auch die über das Jahrhundert des Dichters hinaus bis in die Gegenwart reichende Rezepti­onsgeschichte sowohl der Texte als auch der Persönlichkeit Groths im In- und Ausland fällt in den Interessenbereich der Konferenz. Hier sind Fragen der Traditionsbildung innerhalb nie­derdeutscher Literatur und die Reaktion hochdeutscher Autoren auf den Dichter des „Quick­born“ ebenso von Belang wie die Beachtung einer zeitgenössischen Einflussnahme und der möglichen gegenwärtigen Verortung der Texte Klaus Groths in Vermittlungszusammenhän­gen.

Zudem wirft die Sprachlichkeit grothscher niederdeutscher Dichtung Fragen auf, die im Rah­men der Tagung zu diskutieren wären. Als besser aufgearbeitet erweisen sich seine Bemü­hungen um eine niederdeutsche Orthographie, doch weiterführende Fragen zur sprachlichen Struktur seiner niederdeutschen Schriftsprache sind seit längerer Zeit nicht mehr gestellt wor­den, obgleich dieser erheblichen Einfluss auf die Entwicklung neuniederdeutscher Schriftlich­keit ausgeübt hat.

Die Tagung möchte in einem methodisch und theoretisch breit aufgestellten Zugriff literatur­wissenschaftliche, literarhistorische, kulturwissenschaftliche, sprachwissenschaftliche, sprachhistorische und wissenschaftshistorische Fragestellungen zu Klaus Groths Werk und parallelen hochsprachlichen und dialektalen literarischen Entwicklungen und Publikationen, zu seiner Person und seinem Umfeld miteinander verknüpfen, um diesem einflussreichen nie­derdeutschen und hochdeutschen Dichter und seinen Texten im Jahr des 200. Geburtstages wieder näher zu kommen. Vortragsvorschläge (Titel und Aufriss) zu allen angesprochenen Themenfeldern in einem Umfang von bis zu 500 Wörtern sind bis zum 28. Februar 2019 herzlich willkommen und können an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! über­mittelt werden. Anfang März 2019 wird sogleich mitgeteilt werden, ob der Vortrag in das Programm aufgenommen werden konnte. Es wird angestrebt, die Unkosten der Vortragenden zu übernehmen und eventuell auch ein kleines Vortragshonorar zu gewähren. Die Beiträge der Tagung sollen 2020 in einem Sammelband publiziert werden.

Ansprechpartner: Robert Langhanke (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)